Ricarda Essrich

„Adjö“ heißt Abschied auf Schwedisch

10. Juni 2012 | (0) Kommentare

Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Kursabend als Schwedisch-Lehrerin an der VHS. Ich war super nervös und blickte in erstaunte Gesichter von ca. 12 Kursteilnehmern, die alle meine Mutter erwartet hatten. Die war jedoch krank und ich musste sie vertreten. Dank der "erfahrenen" Kursteilnehmer (einige waren seit 9 Jahren dabei) wurde der Abend dann doch keine Katastrophe, sondern sogar recht lustig.

Dabei hatte ich mir immer geschworen, ich würde nie die Kurse meiner Mutter unterrichten. Sehr lange hatte ich mich geweigert, sie überhaupt zu vertreten. Dann wurde sie krank, und es blieb keine Wahl. Nach ihrem Tod übernahm ich die Kurse ganz und wurde offiziell Schwedisch-Dozentin an der VHS Hilden-Haan. Ursprünglich waren es 4 Kurse an 2 Abenden, doch das war als Teilzeit-Angestellte und Teilzeit-Selbstständige nicht mehr zu stemmen, daher gab ich nach 2 Semestern schweren Herzens 2 Kurse ab. Die anderen beiden Kurse habe ich 2 weitere Jahre lang unterrichtet.

Nun möchte ich mir gerne einen Traum erfüllen und im Herbst 2 Monate durch England reisen. 3 Wochen davon werde ich auf einer kleinen Farm an der Westküste Esel hüten (und vermutlich viel Mist schaufeln); die restlichen 5 Wochen möchte ich nutzen, um Land und Leute ganz intensiv kennenzulernen, nur ich und mein Rucksack. Der Krimi, den ich schon vor ein paar Jahren angefangen habe, soll auf dieser Reise endlich fertig werden.

Dieser Urlaubsplan und noch einige andere Pläne lassen sich einfach nicht mehr mit der Dozententätigkeit vereinbaren; daher war das Sommersemester für mich das letzte an der VHS.

Am Freitag nun habe ich meine Karriere als Schwedisch-Lehrerin beendet, mit einem kleinen (vorgezogenen) Midsommarfest. Und Ihr könnt mir glauben, die Kursteilnehmer haben es mir wirklich nicht leicht gemacht, aufzuhören. Es gab Geschenke und Blumen, es wurde geherzt und umarmt - und am Schluss flossen dann doch noch ein paar Tränchen.

Ihr Lieben, es war eine tolle Zeit mit Euch, und trotz meiner anfänglichen Bedenken hatte ich eine Menge Spaß, und ich selbst habe mindestens ebenso viel gelernt wie Ihr. Wir haben viel gelacht, viel Kaffee getrunken, unheimliche viele Präpositionen geraten und sehr, sehr schöne Feste gefeiert. Und ich bin froh, dass ich mit Euch das Schwedisch-Erbe meiner Mutter noch eine Weile weitertragen konnte.

Jetzt ist es zwar Zeit, Abschied zu nehmen, aber dieser kleine Freund hier wird mich auf meiner Reise begleiten, und wenn Ihr (hoffentlich) wieder fleißig mittwochs abends in der Volkshochschule sitzt, werde ich an Euch denken.

Habt Dank für eine tolle Zeit! Und weiter fleißig sein!

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P.S.: Natürlich sagen wir nicht „Adjö“, sondern „Vi ses!“

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