Ricarda Essrich

Aus dem Alltag der leidgeprüften Übersetzerin

22. Juni 2011 | (1) Kommentare

Heute erreichte mich bei Xing mal wieder eine Anfrage für einen Übersetzungsauftrag. Das geschieht öfter und verläuft meist auf einer sehr professionellen und produktiven Ebene. Ich habe schon den einen oder anderen lukrativen Auftrag über Xing bekommen. Aber heute dann das: Eine nette und freundlich Dame war auf der Suche nach Übersetzern vom Deutschen ins Norwegische. Für nähere Informationen verwies sie aund die Website des Unternehmens. Natürlich wurde ein "Native Speaker" gesucht (der ich ja - und das hätte sie in meinem Profil bei Xing sehen können - nicht bin), mit "exzellenten muttersprachlichen" und natürlich auch "guten Deutschkenntnissen". Achja, erfahren sollte der/die Übersetzer/in auch sein, außerdem Office und HTML-Editoren beherrschen. So weit, so gut. Aber dann: "Wir bieten: Einen Mindestbruttostundensatz von € 14,— mit Option auf Überzahlung je nach Ausbildung und Berufserfahrung" Ist das etwa ernst gemeint? 14? In Worten VIERZEHN? Brutto? Das lohnt sich ja richtig. Da bliebe mir ja unterm Strich ... nüscht. Draufzahlen müsste ich da noch. Und was bitte heißt überhaupt Überzahlung? Wenn ich gnädigerweise mehr bekomme als 14 Euro, weil ich doch etwas qualifizierter bin als die Studenten, die sich neben dem Studium ausbeuten lassen, und darüber hinaus auch noch über Erfahrung verfüge, dann bin ich schon "überbezahlt"? Oh, da könnte ich zum HB-Männchen werden! Aber sich aufzuregen lohnt sich nicht bei solchen Auftraggebern. Denn sicher wird die Dame auf meine freundliche, aber bestimmte Absage hin nicht einsichtig werden und mir stattdessen das Drei- bis Vierfache (netto) als Stundensatz anbieten. Sie wird auch sicher einen Kollegen oder eben einen Studenten finden, der für diesen Hungerlohn arbeitet. Aber wer nur wenig zu investieren bereit ist, wird auch nur wenig bekommen: Übersetzungsqualität für 14 Euro eben. Professionelle Arbeit will professionell bezahlt werden. So einfach ist das.

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Kommentare

Oh, die Anfrage hatte ich auch bekommen. Es nervt. Aber glücklicherweise kann man sie ja einfach löschen ...

Snorre am Freitag, 24. Juni 2011 um 11:04 AM

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