Ricarda Essrich

Fettnäpfchenführer: Norwegen

9. August 2011 | (0) Kommentare

Ist doch alles genau wie in Schweden, oder? Ja, das könnte man meinen. Die Lektüre des Fettnäpfchenführers für Norwegen belehrt einen aber eines Besseren. Das Konzept Versicherungsdetektiv Stefan Derek (ja, die Namensgleichheit zum deutschen Fernsehdetektiv ist bewusst gewählt, die Norweger sind große Fans der deutschen TV-Serie) reist auf der Suche nach einem verschwundenen Gemälde durch Norwegen und erwischt dabei natürlich so manches Fettnäpfchen im Umgang mit den Norwegern. Weil er 5.000 km quer durchs Land reist und sowohl Privat- als auch Geschäftsleute trifft, bekommt man in diesem Buch einen umfassenden Einblick in die Fettnäpfchen, die es in Norwegen zu umschiffen gilt. Das Buch Auch das norwegische Gesellschaftsleben ist geprägt vom Gleichheitsgedanken. Allerdings nur untereinander. Gegenüber den Schweden oder den Dänen will man sich abheben, keinesfalls auf dieselbe Stufe gestellt werden. Wehe also dem, der meint, alle Skandinavier lautstark über einen Kamm scheren zu wollen. Oder gar schwedische Autobahnen über norwegische Tunnel lobt. Darin muss ich die Autorin des Fettnäpfchenführers Julia Fellinger in jedem Fall bestätigen. Gleiches gilt aber auch umgekehrt; keinesfalls wollen die Schweden auf eine Stufe gestellt werden mit den ungehobelten Norwegern, die die Preise für Ferienhäuser an der schwedischen Westküste in astronomische Höhen treiben und protzige Jachten spazierenfahren. Insgesamt kann man schon viele Fettnäpfchenfallen von Schweden auch auf Norwegen übertragen. Vorsicht aber bei privaten Einladungen: Während sich in Schweden dezent und leger gekleidet wird, greifen die Norweger gern ganz tief in die Kiste mit eleganter und festlicher Kleidung. Unbedingt sollte man auch Alkohol für die eigene Versorgung mitnehmen. Wer kann auch von einem norwegischen Gastgeber erwarten, dass er Wein, Bier und Spirituosen für alle seine Gäste finanziert? Wo er doch all sein Geld in ein teure "Hytte" (und hier ist die Ähnlichkeit zum deutschen Wort "Hütte" nur akustisch, ein Rückschluss auf die Größe des Hauses ist nicht angebracht) in den Bergen investiert hat und jedes Wochenende seiner Naturverbundenheit frönt? Mein Fazit Insgesamt gefällt mir der fettnäpfchengeplagte Stefan Derek etwas besser als Familie Müller in Schweden. Auch wenn er als Detektiv nicht recht taugt und schließlich den Gemäldediebstahl nur durch eine plötzliche Eingebung löst (überhaupt finde ich, die Detektivgeschichte gerät während der Lektüre fast in Vergessenheit, was schade ist), so zeigt er doch anschaulich, worauf man als Tourist (oder auch Zugereister) in Norwegen achten muss. Es war spannend für mich zu lesen, dass der persönliche Eindruck, den ich von Norwegern und Schweden und dem Umgang mit ihnen hatte, von den beiden Autorinnen der Fettnäpfchenführer so bestätigt wird. Ein paar Dinge wurden auch einfach klarer, jetzt wo man eine Erklärung dazu lesen konnte. Und gelernt habe ich auch noch eine Menge (z. B. wer den Kästehobel erfunden hat).

Jetzt bin ich aber auf den Kulturschock gespannt, den ich vielleicht bei der Lektüre vom Fettnäpfchenführer Spanien bekomme. zurück zum Fettnäpfchenführer Schweden

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