Ricarda Essrich

Fettnäpfchenführer: Spanien

9. August 2011 | (0) Kommentare

Nach einem gar nicht so kühlen Sommer hier in Skandinavien auf ins schön warme Spanien: Das Konzept Lena und Tom sind neu in Spanien. Lena besucht einen Sprachkurs und Tom hat einen neuen Job in einer Software-Firma begonnen. In 33 unterhaltsamen Episoden begeben sie sich unfreiwillig auf Fettnäpfchensuche und lassen dabei nicht aus. Das Buch Wie auch bei den Fettnäpfchenführern für Schweden und Norwegen schildert die Autorin Lisa Graf-Riemann Stolperfallen sowohl im Privat- als auch im Berufsleben: Lena absolviert einen Spanischkurs in Alicante und wohnt währenddessen in einer WG; Tom arbeitet in seinem neuen Job in Madrid und eckt da bei Kollegen und Vorgesetzten an. Ich hätte es kaum gedacht, aber tatsächlich lassen sich Parallelen finden zwischen den kühlen Nordlichtern und heißen Spaniern. Wer sich Schweden oder Norwegen daran gewöhnt hat, dass bei geschäftlichen Meetings die Uhren langsamer ticken, Themen kaum direkt angesprochen und Entscheidungen vertagt werden, wird sich in Spanien wohlfühlen. Ein Geschäftsessen dient keinesfalls zur Besprechung von Projekten, eher dem gegenseitigen "Beschnuppern" und Ausloten, um damit die Basis für eine Entscheidung zu schaffen. Wer hier deutsche "Produktivität" erwartet und fordert, fällt schnell (unangenehm) auf. Ebenfalls für Spanien wie für die nordischen Nachbarländer gilt: Man will nicht über einen Kamm geschoren werden. Es gibt verschiedene Regionen in Spanien, dazu verschiedene Sprachen, unterschiedliche Kulturen. Wehe dem, der "Katalanisch" als Dialekt bezeichnet oder Basken und Galicier in einen Topf wirft. Nun, als Schwedenreisender läuft man allerdings auch Gefahr, vermeintliche Höflichkeiten fälschlicherweise auf Spanien zu übertragen. Wer nach der Devise "Schwedenhaus - Schuhe aus" handelt, landet in Spanien knietief im Fettnäpfchen, denn hier behält man seine Schuhe an. Und hätten Sie's gewusst? In Spanien gilt es als höchst bedenklich und wider jede Etikette, sich heftig zu betrinken. Und das, obwohl doch viel und meist sehr guter Alkohol serviert wird (ich habe da gleichen tollen roten Wein und prickelnden Cava im Kopf). Erzählen Sie das mal den Norwegern und Schweden, deren größtes Hobby am Wochenende der Vollrausch ist und bei denen das Mischen von Bier mit Limo schon als Alkoholmissbrauch gilt. Für einen Tipp, wie Lisa Graf-Riemann ihn gibt, nämlich zu jedem Glas etwas zu essen und immer einen Rest übrig zu lassen, würden Sie in den skandinavischen Ländern (und ja, hier lassen diese sich tatsächlich über einen Kamm scheren) nur ungläubiges Kopfschütteln ernten. Mein Fazit Insgesamt erscheint mir Lena ein kleines bisschen feinfühliger zu sein Tom. Tom lässt einfach nichts aus; Lena dagegen scheint (zumindest im Zusammenspiel mit Tom) diejenige zu sein, die Augen und Ohren offen hält und sich redlich bemüht, die Spanier zu verstehen. Das gefällt mir gut; hier merkt man die Erfahrung der Krimiautorin (Lisa Graf-Riemann hat bereits zwei Oberbayernkrimis veröffentlicht), die es gewohnt ist, unterschiedliche Charaktere zu zeichnen. Meine bisherigen Spanienerfahrungen beschränken sich auf einen fünftägigen Aufenthalt in Barcelona. Und auch wenn wir dabei wenig wirklichen Kontakt zu Einheimischen hatten, kam mir die eine oder andere Charaktereigenschaft, die Lisa Graf-Riemann den Spaniern zuschreibt, bei der Lektüre bekannt vor. Spanien ist immer noch Urlaubsland Nr. 1. Wer sich in die iberische Kultur ein bisschen einlesen und im Land auch einfügen will und keine Lust hat, als "typisch deutscher Mallorca-Tourist" Eindruck zu machen, ist mit dem Fettnäpfchenführer Spanien bestens beraten.

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