Ricarda Essrich

Kauf dich mal ne Tüte Deutsch!

oder behilf Dir mit der „Wortapotheke“

29. Dezember 2012

"Kauf dich mal ne Tüte Deutsch, hat mich auch gehelft!" Zugegeben, dieser Ausspruch ist nicht schön, hat mich aber doch durch meine Jugend begleitet. In meiner Familie war es großer Sport, die anderen Mitglieder (und hier war mein aus Süddeutschland stammender Vater leider allzu oft das Opfer) zu korrigieren, wenn sie fehlerhaft sprachen. Ja, die Lektorin war mir sozusagen in die Wiege gelegt! wink

Nun ist der Spruch zwar leicht dahingesagt, lässt sich ja aber doch nur schwer umsetzen. Deutsche Sprache kaufen, wie soll das gehen? Okay, man kann Wörterbücher kaufen oder Sprachkurse belegen. Aber Deutsch in Tüten? Gut, nicht in Tüten, aber in Schachteln kann man die Sprache nun kaufen.

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Im litteraturverlag roland hoffmann ist im letzten Jahr die „Wortapotheke“ erschienen. Adjektive, Verben, Interjektionen – all das gibt es in ganz und gar nicht homöopathischen Dosen zu kaufen. Für den akuten Notfall in der handlichen Erste-Hilfe-Box oder für die langwierige Behandlung im vollständig ausgestatteten Arzneimittelschrank. Damit es nicht zu Über- oder Unterdosierungen und unerwünschten Nebenwirkungen kommt, liegen den „Arzneien“ informative Beipackzettel bei.

Schaut mal, wie Adjektive wirken können und wie sie verwendet werden müssen!

(Bild anklicken, um PDF zu öffnen)

 

Entwickelt hat die Wortapotheke übrigens der dänische Lyriker Morten Søndergaard anlässlich einer Ausstellung über Wort und Sprache.

Eine grandiose Idee, wie ich finde! Schade, dass Weihnachten schon vorbei ist. Aber die Wortapotheke kommt direkt auf meinen Wunschzettel für das nächste Jahr. Einziger Wermutstropfen: Ich fände es toll, wenn man die Arzneien einzeln kaufen könnte. Eine Schachtel Verben für meinen Cousin, der als Kind damit so sparsam umging („Kann ich mal die Butter?“). Und meinem Vater hätte ich gerne eine Packung Artikel verschrieben, gegen das leidige "Süddeutsch-auch-der/das/die"-Syndrom ...

Aber vermutlich ist das sowohl in Herstellung als auch Vertrieb zu aufwendig und teuer. Trotzdem: Die Wortapotheke sollte eigentlich in keinem Schreiberhaushalt fehlen!

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Bilder: litteraturverlag roland hoffmann

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