Ricarda Essrich

Rezension: Astrid Lindgrens Schweden (Reise Know-How 2010)

31. Juli 2011 | (0) Kommentare

Ich gebe zu: Mein erster Gedanke zu diesem Buchtitel war: "Astrid Lindgrens Schweden? Wieder mal ein Buch, das das skandinavische Land auf Bullerbü reduzieren will, um Touristen anzulocken." Doch diesmal habe ich mächtig daneben gelegen. Im Sommer habe ich Astrid Lindgrens Schweden direkt vor der Haustür. Nicht in Småland, sondern in Bohuslän. Denn schließlich wurde hier in Fjällbacka, in der Nähe unseres Feriendomizils, ein Teil des Ronja-Räubertochter-Films gedreht. Auch Sabine und Wolfram Schwieder berichten in ihrem Reiseführer "Astrid Lindgrens Schweden von Bullerbü zur Villa Kunterbunt" (Reise Know-How, 2010) davon. "Handbuch für individuelles Entdecken" lautet der Untertitel, und treffender hätte man es nicht formulieren können. Es ist kein klassischer Reiseführer, will es auch gar nicht sein. Es ist vielmehr eine Ode an Astrid Lindgren, an ihre Bücher, an Schweden. Die Autoren begeben sich auf eine spannende Reise durch Astrid Lindgrens Literatur. Denn Astrid Lindgren ist so viel mehr als Bullerbü. Michel (bzw. Emil, wie er im schwedischen Original heißt), Pippi, Madita, Mio, Samuel August – aus jedem ihrer so fantasievollen Bücher kann man Hunderte Orte in Schweden wiederfinden, Katthult, Saltkrokan oder Mariannelund besuchen, Limonadenbäume entdecken. Für unzählige Details ihrer Bücher dienten reale Orte, Personen und Begebenheiten aus ihrem Leben, ihrer Vergangenheit, als Vorlage. Unglaublich inspirierend muss die Kindheit in Näs bei Vimmerby auf ihre Literatur gewirkt haben; diesen Eindruck bekommt man jedenfalls bei der Lektüre des Reisehandbuchs. Sabine und Wolfram Schwieder schaffen es, durch ihre sehr persönliche Schilderung das Lesen zu einem Vergnügen zu machen, weit entfernt von den oft sehr distanziert wirkenden Beschreibungen, die man sonst in Reiseführern lesen kann. Sie reisen jedoch durchaus auch mit einem kritischen Blick durch Astrid Lindgrens Schweden, prangern an, wenn Künstler, Kuratoren und Unternehmer den Kommerz über das das großartige Werk Astrid Lindgrens und dessen Bedeutung für die Kinder- und Jugendliteratur stellen und den lindgrenschen Blick für die Einfachheit der Dinge verlieren. Natürlich besuchen sie Touristenmagnete wie Vimmerby und den Freizeitpark "Astrid Lindgrens Värld", aber sie finden eben auch immer wieder Kleinode wie z. B. die kleine Insel Lommetuva, auf der Pippi, Thomas und Annika Schiffbruch erleiden. Solche Details machen dieses Buch aus, sie zeugen davon, dass die Autoren sich tatsächlich mit der Schriftstellerin auseinandergesetzt und sich mit großer Freude auf diese Spurensuche begeben haben. Ein Buch nur für Schwedentouristen? Sicher nicht. Eher ein Buch für Astrid-Lindgren-Fans. Für diejenigen, die heute ihren Kindern die großartigen Geschichten vorlesen, die sie selbst in ihrer Kindheit verschlungen haben. Für diejenigen, die noch an Limonadenbäume, Rumpelwichte und Nangijala glauben. Und ich, ich gehe gleich nochmal zur Wolfsklamm in Fjällbacka und laufe auf Ronjas Spuren in den Mattiswald.

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