Ricarda Essrich

Rezension: “Mein wirst du bleiben” von Petra Busch

30. September 2011 | (0) Kommentare

Es gibt Bücher, da vergießt man schon auf den letzten 50 Seiten Tränen angesichts der Tatsache, dass das Lesevergnügen bald vorbei ist.

Es gibt Bücher, da mag man hinterher kein anderes in die Hand nehmen, weil es ohnehin nicht an das eben gelesene herankommt.

Mein wirst du bleibenvon Petra Busch ist so ein Buch. Es ist der zweite Band in der Krimireihe um den sympathischen Kommissar Moritz Ehrlinspiel und seine neugierige, nunja, "Bekannte" Hanna Brock. Und die beiden ermitteln diesmal im Umfeld eines Freiburger Mehrfamilienhauses. Zwei Bewohner sind ermordet worden, und alle - teilweise recht schrulligen - Nachbarn sind verdächtig. Die Spuren führen die Ermittler schließlich zu Miriam, die sich mit Leib und Seele dem lieben Gott und der Pflege ihrer Mutter Thea verschrieben hat. Doch auch Thea scheint ein dunkles Geheimnis zu verbergen und wirkt verdächtig. Und wer ist der Mann, der verborgen hinter seinem Teleskop die Hausbewohner ausspioniert?

Dass man in eingeschobenen Abschnitten über Tun und Denken des bösen Antagonisten erfährt, kennt man schon. Doch böse ist nicht gleich böse in Petra Buschs Büchern, und so erscheinen einem in "Mein wirst du bleiben" mehrere dunkle Stimmen und führen einen beim Mitrateversuch schnell in die Irre.
Das macht diesen zweiten Band so spannend und mitreißend, dass man gar nicht mehr genug davon bekommen kann.

"Mein wirst du bleiben" gefällt mir noch einen Hauch besser als der erste Band Schweig still, mein Kind. Das mag vielleicht am etwas positiveren Handlungsschauplatz liegen. Mir persönlich ist die von einer hochsommerlichen Hitzewelle gelähmte Stadt Freiburg etwas näher als das winterliche, verschneite und düstere 500-Seelen-Dorf im Schwarzwald, in dem Moritz Ehrlinspiel im ersten Band ermitteln musste.

Moritz Ehrlinspiel bleibt ein sympathischer Kommissar, dessen Sorgen und Probleme zwar Platz eingeräumt wird, aber nicht übergeordnete Bedeutung, wie man es in skandinavischen Krimis so oft liest. Man möchte ihm helfen, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, und ihm den nötigen Stubs in die richtige Richtung geben, wenn es um Hanna Brock geht. Doch er wirkt noch lange nicht "auserzählt", ich hoffe, weiteren Büchern entgegenfiebern zu dürfen.

Übrigens: Ich liebe erste Sätze, weil sie eine unglaubliche Macht über den Leser haben. Gute erste Sätze reißen einen so mit, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Und auch wenn dieser hier nur der erste Satz eines Kapitels, nicht des ganzen Buches ist, finde ich ihn so gelungen, dass ich ihn zitieren muss: "Als sie zu sich kam, war sie tot."

Grandios! Weiter so, liebe Petra!

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