Ricarda Essrich

Rezension: Verliebt in Schweden

Eine "Geschichte ohne Elch, aber mit Herz" von Stella Bongertz und Joakim Montelius

9. August 2013 | (0) Kommentare

Immer auf dem Weg zu unserem Ferienhaus in Schweden und dann wieder auf dem Rückweg muss ich an Stella Bongertz denken. Immer wenn ich in Helsingborg mit der Fähre lande. Eigentlich kenne ich sie nur über soziale Netzwerke. Verkontaktet auf Empfehlung einer gemeinsamen Bekannten, weil wir beide selbstständig im Text-Business unterwegs sind und außerdem die Leidenschaft für Schweden teilen. Und obwohl sie quasi direkt an meiner Reiseroute wohnt, habe ich es noch nicht geschafft, sie zu besuchen. Weil auf dem Hinweg es mich drängt, so schnell wie möglich im Domizil anzukommen. Und auf dem Rückweg ich an die lange Strecke denke, die noch vor mir liegt, da will ich nicht nach 300 km schon Pause machen. Blöd eigentlich.

Nun, dieses Mal begleitete mich auf dem Weg nach Schweden wenigstens Stellas neues Buch, das sie zusammen mit ihrem Freund Joakim geschrieben hat:

Verliebt in Schweden. Eine Geschichte ohne Elch, aber mit Herz

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Eine Liebesgeschichte. Stellas Liebesgeschichte. Und eine Liebeserklärung. An Schweden.

Das Buch:

Manche Angebote kommen zum richtigen Zeitpunkt: Als Stella nach einer Trennung wohnungslos da steht, wird ihr auf einer Arbeitsreise ein kleines Strandhaus in Südschweden angeboten, in dem sie ein paar Monate ungestört an ihrem neuen Ghostwriting-Projekt schreiben kann. Zufällig wohnt Joakim, ein alter Freund, ganz in der Nähe. Es kommt, wie es in einem Liebesroman kommen muss: Die beiden verlieben sich ineinander, doch es dauert eine ganze Weile, bis die beiden endlich ein Paar werden.

Diese Weile füllt Stella mit witzigen Anekdoten über schwedische Eigenarten. Und bestätigt mich einmal mehr in der Aussage, dass trotz all der vermeintlichen Ähnlichkeit, die zwischen Schweden und Deutschland herrscht, es doch viele feine Unterschiede gibt, die massenweise Anlässe für Fettnäpfchen und Fragezeichen im Gesicht bieten.

Ich selbst fahre seit beinahe 30 Jahren nach Schweden und nehme viele Dinge als selbstverständlich hin.
Nehmen wir z.B. die schwedische Pizza. Ich liebe diese hauchdünnen Wagenräder, die so eigentümlich belegt sind: mit Nachos, Pepperonis und Hackfleisch, mit Rindfleisch und Bernaise-Soße (überhaupt lieben die Schweden Bernaise-Soße!), mit allerlei Meeresgetier und Creme fraîche ... und dieser Pizza-Salat! Herrlich würziger Krautsalat, den gibt es gratis dazu. (Fange gerade an zu bereuen, dass ich diesen Sommer gar keine Pizza gegessen habe.) Für mich also eine selbstverständliche schwedische Köstlichkeit, aber ich erinnere mich, dass schon viele meiner Freunde, die mich in Fjällbacka besucht haben, mit Befremden auf das Pizzaangebot reagiert haben.

Stella schildert auch sehr schön die vielen schwedischen Traditionen wie Midsommar, Lucia oder ein Kräftskiva, also Krebsessen im Sommer. Und den Schweden sind traditionsreiche Feste mit gutem Essen (und dem einen oder anderen alkoholischen Getränk sehr wichtig.)

Reißverschlussverfahren, Saunabesuch, Essgewohnheiten, Personennummer, Nummernzettel und der Systembolaget - Stella stolpert über so manche schwedische Eigenart.

Unterhaltsam wird das Ganze dann auch dadurch, dass Stellas Freund Joakim in Einschüben die Geschichte aus seiner Sicht erzählt - und so erhält man als Nicht-Schwede auch mal einen Einblick, was die Schweden wirklich über sich selbst, ihre Traditionen und uns Deutsche denken.

Mein Fazit:

Ich stehe ja nicht mehr so sehr auf Liebesgeschichten. Sind mir meist zu vorhersagbar. Oder zu abwegig, zu sehr aus der Luft gegriffen. Auch bei Stella ist (mir) sehr schnell klar, worauf es hinausläuft und wie es ausgehen wird. Wenige Überraschungsmomente. Daher plätscherte die Liebesgeschichte für mich auch relativ schnell und lautlos vorbei. Zum Pageturner wurde das Buch für mich aufgrund der Schwedenkomponente. Land und Leute, uns eigentlich so nah und doch so unterschiedlich. Beim Lesen musste ich immer wieder schmunzeln und denken: Ja, stimmt, so ist das tatsächlich!

Wer Liebesgeschichten mag, mag auch Stellas Buch. Und wer über die Schweden (und die Deutschen) schmunzeln will, kommt um diesen "Kulturführer" nicht herum!

Amüsant, oder um es schwedisch auszudrücken: Härligt!

 

Coverfoto: Bastei Lübbe

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