Ricarda Essrich

Tempo, Tempo

Wer schneller tippt, verdient auch mehr!

7. Mai 2013 | (5) Kommentare

Ich schreibe gerade Rechnungen und mache meine monatlichen Auswertungen. Wie viele Stunden habe ich gearbeitet, die ich auch in Rechnung stellen kann, wie viele Stunden habe ich in welchem Segment gearbeitet (also Übersetzungen oder Lektorat, Fachübersetzungen oder Literatur etc.), und was habe ich im Durchschnitt pro Stunde verdient. Bei diesen Auswertungen freue ich mich jedes Mal aufs Neue über die schönen Stundensätze. Von wegen, Übersetzungen sind schlecht bezahlt. Das lässt sich so pauschal einfach nicht sagen.

Wort- und Zeilenpreise oder lieber Stundensätze?

In der Regel werde ich nach zählbaren Einheiten bezahlt, sprich: nach Wörtern, Normzeilen oder Seiten. Das bietet dem Kunden den Vorteil, dass er vorher schon absehen kann, wie viel ihn die Übersetzung kosten wird. Natürlich kann ich auch den voraussichtlichen Aufwand kalkulieren und ihm den Auftrag nach Stunden anbieten; auf der Basis meiner Erfahrung lässt sich das schon ziemlich treffsicher eingrenzen. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, ein Preis, der auf "harten" Fakten basiert, ist den meisten Kunden lieber, scheint transparenter. Für mich spielt das keine Rolle. Ich habe einen Stundensatz, den ich mindestens erreichen muss, damit ich von meiner Arbeit leben kann. Wenn ich meinem Kunden also einen Preis pro Wort oder pro Zeile gebe, dann basiert dieser auf der Erfahrung, wie viele Wörter oder Zeilen ich pro Stunde übersetzen kann bzw. muss. Dieser Preis ist so angesetzt, dass ich auch bei mehr Rechercheaufwand oder Überarbeitungsbedarf am Ende auf meinen Mindeststundensatz komme.

(Bild: Rainer Sturm  / pixelio.de)

Schnell tippen = mehr Einheiten pro Stunde = mehr Verdienst

Meine Übersetzung geschieht meist in mindestens 2 Schritten: Ich tippe eine recht rohe Übersetzung vor, ohne viel nachzuschlagen oder an Formulierungen zu basteln. Problematische Stellen werden markiert, dann geht es schnell weiter, um im Kontext zu bleiben. Erst in einem zweiten und möglicherweise einem dritten Schritt überarbeite ich diesen Text dann sorgfältig, recherchiere Wörter und inhaltliche Fragen und feile an den Formulierungen.

Wenn ich den Text roh übersetze, profitiere ich von einem Faktor: Ich tippe sehr schnell. Das 10-Finger-System habe ich nie gelernt, ich habe ein eigenes 8-Finger-System entwickelt, das zugegebenermaßen eine einigermaßen hohe Fehlerquote beinhaltet. Aber eben auch Geschwindigkeit, mein Output ist ganz einfach sehr hoch.

In der Konsequenz schaffe ich mehr Wörter oder Zeilen pro Stunde, als ich müsste. Wenn ich dann noch Translation Memorys zur Hilfe habe, die mir bei Terminologiekonsistenz, Wiederholungen etc. helfen, kommt unterm Strich auch schon mal das Doppelte von dem heraus, was ich als Mindeststundensatz kalkuliert habe. Das Tempo macht's also.

Schneller tippen kann man üben

Wie schnell man wirklich tippt, kann man leicht im Internet bei einem Speedtext testen. In das Textfeld so schnell wie möglich die im Kasten darüber angegebenen Wörter tippen - korrekt natürlich. 1 Minute lang zählt die Seite, wie viele Wörter man geschafft hat, wie viele Tastenanschläge es waren, wie viele Fehler. Spannend und lustig! Gibt es übrigens für viele Sprachen (Probieren Sie es doch mal in einer Fremdsprache aus!). Mein Ergebnis finde ich nicht schlecht, aber man sieht (im rechten Screenshot): Auf Schwedisch tippe ich deutlich langsamer.

    

(Ergebnis des Speedtests für Deutsch)              (Ergebnis des Speedtests für Schwedisch)

 

Typeracing heißt eine Seite, auf der man spielerisch seine Geschwindigkeit messen, schnelleres Tippen üben und gegen andere antreten kann. Ein großer Spaß!

Wer seine Tippgeschwindigkeit erhöhen will, dem sei diese Seite hier empfohlen: www.schnellschreiben.net Ein schöner Zeitvertreib für die Mittagspause, der auch süchtig machen kann. Einfach die Wörter, die im Fenster auftauchen, abtippen, bevor diese auf dem Boden aufprallen. Es sind englische Wörter, aber gerade das trainiert meiner Meinung nach besonders; da man sich viel mehr auf ungewohnte Buchstabenkombinationen konzentrieren muss, ist der Trainingseffekt vermutlich höher. Und es mach einfach Spaß!

Natürlich kann man auch mit Büchern, Seminaren oder Software lernen, schneller und effektiver zu tippen. Hier mal ein paar Links zu Büchern oder Programmen:

  • http://www.tippen360.de/ (6-stündiges Intensiv-Lernprogramm)
  • Ritter Magic Typing bietet Seminare in ganz Deutschland an.
  • Auch Duden bietet einen Tipptrainer an.
  • Online oder in einer Softwareversion kann man tippen üben unter www.tipp10.com - kostenlos, allerdings nur mit Registrierung.

Dergleichen gibt es noch viele weitere Angebote - zu viele, um sie alle hier zu listen. Aber probieren Sie es doch mal aus - in jedem Fall macht es Spaß! Und die dafür verwendete Zeit lässt sich doch sicher unter dem Thema „Weiterbildung“ verbuchen, oder? wink

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Kommentare

Schöne Tipps, danke! Bin gerade an Level 6 bei schnellschreiben.net gescheitert :-). Es stimmt schon - ich bin auch sehr dankbar, dass ich vor 20 Jahren mal 10-Finger-Schreiben gelernt habe, das spart natürlich enorm viel Zeit.
Wem solche Spiele Spaß machen, dem sei noch “Drop” empfohlen: http://drop.notch.net - ein neues Browserspiel vom Erfinder von Minecraft…

Katja am Dienstag, 14. Mai 2013 um 09:11 PM

Ah, danke für den Tipp von der Queen of Prokrastination! :-)

Ricarda am Mittwoch, 15. Mai 2013 um 09:15 AM

Schon mal mit Spracherkennung experimentiert? Alle sagen, das funktioniert nicht, aber das funktioniert wirklich SUPER-SUPER.
Ich arbeite von Anfang an (seit Mitte der 90er) damit und habe ganze Bücher zu mehr als 3/4 diktiert.
Beste Grüße,
W.W.

Werner Walther (bin z.B. bei ProZ) am Dienstag, 04. Juni 2013 um 11:29 PM

Nein, bisher nicht. Arbeitest Du mit einer speziellen Software? Und einem externen Mikrofon? Magst Du ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern?

Ricarda am Mittwoch, 05. Juni 2013 um 09:01 AM

Spezielle Software? Ja!
Hardware: auch ein bisschen aufpassen.
Mikrophon: nicht nur extern, sondern ganz besondere Mikrophone!

Und Sprachtechnik und Sprachdisziplin: Ja, uunbedingt.
Aber das ist alles ganz schnell zu lernen.

Gib mir ein bisschen Zeit, und ich stelle etwas zusammen, vielleicht schon bis Anfang der nächsten Woche.

Viele Grüße,
W.W.

Werner Walther (bin z.B. bei ProZ) am Donnerstag, 06. Juni 2013 um 03:44 PM

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