Ricarda Essrich

Von Readern und Büchern

16. Februar 2012 | (0) Kommentare

Nun, da ich das erste Buch auf meinem Sony-Reader zu Ende gelesen habe, ist es Zeit, Euch an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Ob Ihr wollt oder nicht.

Die Vorgeschichte:

Ende November musste ich ziemlich eilig ein schwedisches Buch für ein Gutachten lesen, das ich nur als PDF hatte. An diesem Wochenende war ich nach Berlin unterwegs. Ich schleppte also meinen Laptop mit und las entweder am Bildschirm oder auf dem 10-cm-Display meines Smartphones. Das machte keinen Spaß, und wenn man schon so wenig Geld für ein Gutachten bekommt, sollte man wenigstens Spaß am Lesen haben, oder? Daher entschloss ich mich, das Gutachtengeld in einen E-Reader zu investieren. Eine rein berufliche Investition also!

Anfang Dezember bestellte ich also nach längerem Abwägen und unter Zuhilfenahme dieses Postings und der Kommentare von Übersetzerkollegin Isabel Bogdan den Sony Reader PRS-T1. Ich entschied mich bewusst gegen den Kindle von Amazon, weil ich
a) nicht auf das Amazonformat beschränkt sein wollte (wenn man woanders kauft, muss man die Datei umwandeln)
b) mir beim Sony mit einem Stift Notizen zum Text machen kann (unhandliche Touchscreen-Tastaturen habe ich schon in meinem Handy zu bewältigen, das reicht mir)
und c) weil es ihn in mehreren Farben gibt (ja, ich bin ein Mädchen. Meiner ist jetzt weiß.)

Dazu gab es zu Weihnachten eine Hülle mit Licht von meinem Bruder und eine selbst gestrickte Hülle in Schön von Ulrike.

Der erste Eindruck:

Als ich das erste Mal einen E-Reader eingeschaltet sah (das war übrigens der von Ulrike), war ich überrascht. Er war an und sah aus wie aus. Kein beleuchtetes Display. Das liegt an der eInk-Technologie, das ist sozusagen elektronisches Papier. Die Teilchen hierin werden – entschuldigt meine laienhafte Darstellung – kurz durch elektrische Spannung angeregt und bilden dadurch die Buchstaben ab. Das sieht dann aus wie beim Buch. Kostet (außer beim Umblättern) keinen Strom und ist sehr augenfreundlich.

Die Bedienung vom Sony ist einfach, wie beim Smartphone tippt man fröhlich auf dem Bildschirm rum (ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen) oder benutzt die Navigationstasten. Gewöhnungsbedürftig fand ich jedoch, dass die Reaktion auf meine Befehle nur zeitlich verzögert passiert. Es dauert eben immer ein kleines bisschen, bis die schwarzen Tintenteilchen alle an ihrem Platz sind. Nicht so lange, dass man sich in der Zwischenzeit einen Tee kochen könnte, aber doch mindestens so lange wie Umblättern bei einem echten Buch. Das “Wischen” beim Smartphone ist schneller. Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt.

Vor- und Nachteile:

Die Vorteile des E-Readers:

  • 2 GB Platz (erweiterbar), das bedeutet ca. 1.200 eBooks. Verpackt in 168 g Lebendgewicht. Beim Backpacking in Vietnam hätte er mir schon das eine oder andere Gramm im Rucksack erspart.
  • Kein Mensch sieht mehr, was ich lese. Vorbei die Zeiten, in denen ich eine 500 Seiten Schmonzette in einer Hülle von den Buddenbrooks verstecken musste, um mich beim Bahnfahren nicht zu blamieren. (Soll es geben, hab ich gehört.)
  • Man braucht nur noch 1 Hand zum Lesen und Umblättern. Das ist essenziell, wenn die 2. Hand schön warm unter der Bettdecke bleiben kann. Oder wenn man – so wie ich – spannende Bücher auch beim Mittagessen nicht aus der Hand legen kann. Will man sein Besteck mit beiden Händen führen, führt das oft zu den merkwürdigsten Konstruktionen, um das Papierbuch aufgeschlagen zu halten (und Salzstreuer eignen sich nicht so gut, habe ich festgestellt). Der E-Reader liegt schön flach, und umblättern kann man sogar mit den Fingerknöcheln.
  • eBooks stauben nicht ein.

Klar, Nachteile gibt es auch:

  • Trotz mehrfacher Einstellmöglichkeiten empfinde ich das E-Reader-Display als einen Hauch dunkler als das Papier bei einem Buch. Bei Lichtverhältnissen, bei denen ich das Papierbuch noch gut bewältigt hätte, brauche ich für das eBook zusätzliches Licht.
  • Ich traue mich nicht, das Ding mit in die Badewanne mitzunehmen. Wenn ein Paperback ins Wasser fällt, ist das ja noch zu verschmerzen, aber der Reader war mir dann doch etwas zu teuer dafür.
  • Für Menschen, die wie ich Papierbücher und Bücherregale lieben und von einer eigenen Bibliothek träumen, eignet sich der E-Reader nicht. Papierbücher sind eben doch dekorativer. Andererseits (und diese Erfahrung durfte ich kürzlich beim Renovieren machen) lassen sich 500 eBooks doch leichter beiseite räumen als 500 Bücher in Papier.
  • eBooks riechen nicht nach Buch. Und fühlen sich auch nicht so an. Und man kann auch keine Eselsohren als Lesezeichen knicken. (Aber das habe ich eh nie gemacht.)
  •  E-Reader müssen geladen werden, mit Strom. Und ihr Akku macht natürlich immer an der spannendsten Stelle im Buch schlapp.

 

Fazit:

E-Reader polarisieren ungemein. Und es gibt Unken, die prophezeien den Untergang des Papierbuchs. Quatsch, finde ich. Papierbücher und eBooks schließen sich überhaupt nicht aus, im Gegenteil, sie ergänzen sich prächtig. Es muss kein Entweder-oder sein. Ich jedenfalls werde weiterhin elektronisch und klassisch lesen und finde das toll. Mein E-Reader macht mir großen Spaß, und das nächste Gutachtenprojekt, bei dem ich das Teil dann auch endlich einmal beruflich einsetzen kann, kommt bestimmt.

Was ich mir von Verlegern bzw. Buchhändlern wünschen würde, wäre ein Angebot an Kombipaketen. Buch + eBook + Hörbuch. Damit ich jederzeit zwischen den Medien wechseln kann. Auf der Bahnfahrt im eBook bis Seite 71 lesen, abends in der Badewanne im Papierbuch die nächsten 50 Seiten verschlingen, und am nächsten Tag beim Laufen das Hörbuch auf den Ohren. Damit ich nicht 10 verschiedene angefangene Bücher und Hörbucher im Kopf habe und mich schön einem nach dem anderen widmen kann.

Aber ich bin mir sicher, das kommt schon noch.

Kategorien: Allgemein | Tags: e-reader, ebooks, sony prs-t1,

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