Ricarda Essrich

Die Weisheit der Esel, Teil 2

oder: Der Esel wird beladen, wenn sein Besitzer es will.

15. November 2012 | (2) Kommentare

Letzte Woche hatte ich hier ja bereits begonnen zu prüfen, ob ich aus meiner Auszeit in England und der Arbeit mit den Eseln Erkenntnisse für meine Arbeit ziehen kann. Es ging um das Charaktermerkmal Nr. 1, das man den Eseln für gewöhnlich zuschreibt: die Sturheit.

Heute geht es um:

2. Belastbarkeit und Geduld

Schon seit der Antike werden Esel als Lasttiere benutzt. Aufgrund ihrer Fähigkeit, auch in unwegsamem Gelände sicheren Halt zu finden und geduldig ihre Last zu tragen, boten sie sich besser zum Tragen von Lasten an als z.B. Pferde. Und auch heute schleppen Esel unermüdlich Lasten die Berge hinauf und hinab oder werden zur Touristenbespaßung als Reittiere eingesetzt. Was kaum jemand weiß (und während meiner Arbeit in Clovelly erfahren habe) ist, dass Esel im Grunde nicht mehr als ein Drittel ihres eigenen Gewichts tragen sollten. Wenn man also von einem Gewicht von vielleicht 130 kg ausgeht, ergibt sich eine potenzielle Last von ca. 43 kg. Nun stellt Euch mal eine griechische Insel vor und eine Horde amerikanischer Touristen, die einen Eselritt buchen. Wie viele davon werden 43 kg wiegen? smiley

Esel sind belastbar, aber das hat natürlich auch Grenzen. Leider können Esel nicht sprechen, und da sie sehr geduldig und freundlich sind, (er)tragen sie oft viel mehr, als gut für sie ist. Ich habe festgestellt, dass es wirklich lange dauert, bis ein Esel genug hat und sich gegen eine Last oder eine Behandlung wehrt.

Noah

Noah hat Feierabend.

3. Und ich?

Ich bin auch ziemlich belastbar. Aber manchmal stoße ich doch an meine Grenzen. Gerade zum Beispiel, wo mich innerhalb von 2 Monaten bereits die zweite Erkältung an Couch und Bett fesselt. Früher war ich viel seltener krank, und auch viel fitter. Doch in letzter Zeit mute ich mir wohl mal wieder zu viel zu. Und die Erholung der Auszeit in England ist zum Teufel. Im Moment jongliere ich zwischen Festanstellung und Selbstständigkeit und versuche, beides vernünftig zu machen. Ab Januar bin ich wieder Vollzeit selbstständig, da gibt es noch viel vorzubereiten. Und dann steht ja auch noch Weihnachten vor der Tür ...

Es ist vor allem schwierig, weil ich so ungeduldig bin. Ich möchte gerne alles auf einmal, und ich möchte es sofort. Übersetzen, bloggen, Werbung machen, Weiterbildung, Fachliteratur lesen ... Da ist schon das Koordinieren davon stressig. Ich müsste wohl öfter mal mich selbst bremsen und prüfen, ob das alles jetzt und sofort sein muss.

Anders als Esel habe ich es zum Glück selbst in der Hand, wie viel Belastung ich mir zutraue. Fester Vorsatz für 2013: die eigenen Grenzen berücksichtigen. Nicht alles annehmen. Nein sagen. Auf meinen Körper hören. Achja, und wieder fitter werden, aber das wollen wir ja alle irgendwie, oder?

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Kommentare

Liebe Ricarda, kennst Du das Berbermärchen, warum Esel weiße Mäuler haben? Da kommen genau die Eigenschaften drin vor - sie sind unendlich geduldig in der Arbeit und im Ertragen von Gewalt (v. a. von Kindern, heißt es dort) und sie sind stur. Wegen erster Eigenschaft sollen sie nun in den Himmel. Vorsichtig steckt der Esel die Nase durchs Himmelstor - sieht die Kinder dort und wird stocksteif und weigert sich stur (!), weiter reinzugehen. Also müssen ihn die Engel wieder auf die Erde lassen - aber das Maul, das im Paradies war, das ist nun weiß ...

Recherchemeisterin am Donnerstag, 07. Februar 2013 um 08:17 AM

Oh, eine wirklich schöne Geschichte! Und erinnert mich an das Foto, das ich als Nahaufnahme von der weichsten Nase der Welt habe - die ist natürlich auch weiß!

Ricarda am Dienstag, 19. Februar 2013 um 10:30 AM

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