Ricarda Essrich

Zwanzig Zeilen zirkulieren

Rezension zu Zwanzig Zeilen Liebe von Rowan Coleman

30. Oktober 2015 | (0) Kommentare

Eine tolle Idee hatte meine liebe Kollegin Marieke Heimburger da, als sie das Buch „Zwanzig Zeilen Liebe‟ der englischen Erfolgsautorin Rowan Coleman in den Umlauf brachte. „Zwanzig Zeilen zirkulieren‟ heißt das Projekt: Das Buch, das sie (so meisterlich, wie ich sagen darf) übersetzt hat, soll auf Wanderschaft gehen, "durch viele Hände und Orte". Wer es gelesen hat, gibt es anschließend an einen anderen geneigten Leser weiter. Buch Nr. 4 ist als erstes bei mir gelandet, und endlich komme ich dazu, ein paar Zeilen dazu zu schreiben und es anschließend weiterzugeben.

  

„Zwanzig Zeilen Liebe‟ handelt vom Sterben. Vor allem aber von Hoffnung und von Dingen, die nicht ungesagt bleiben sollten. Die Geschichte spielt u.a. in einem Hospiz, wo die Krankenschwester Stella arbeitet, um ihrer eigenen schwierigen Lebenssituation an der Seite eines im Krieg verwundeten Soldaten zu entfliehen. Sie versucht, ihren Mann zu einem Leben wie vor der Amputation seines Unterschenkels zu bewegen. Aber sie erfährt Entfremdung und Selbsthass. Im Hospiz betreut sie Menschen wie die an Mukoviszodose erkrankte Hope oder die junge krebskranke Issy.

Geschrieben ist die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven von Menschen, deren Verbindung zueinander erst nach und nach aufgedeckt wird. Daneben finden sich zahllose Briefe, die Stella im Aufrag der Hospizbewohner schreibt. Briefe, die ihre Empfänger erst nach dem Tod des Schreibenden erreichen. Letzte Briefe, die von Liebe und Vergebung zeugen, die eines gemeinsam haben: Sie sind hoffnungsvoll.

Und genau das scheint dieses Buch zu vermitteln: Hoffnung, dass der Tod auch etwas Versöhnliches hat. Dass Sterben leichter wird, wenn man von Menschen umgeben ist, die einen lieben.

Rowan Coleman versteht es, sich mit schweren, scheinbar unverdaulichen Themen auseinanderzusetzen. Ihr letzter Roman „Einfach unvergesslich‟ behandelt das Thema Alzheimer. Und ihr gelingt es, es auf eine freundliche, hoffnungsvolle Art zu tun, ohne die Schwere der Krankheit und des Sterbens zu bagatellisieren.

Zwar hat mir das erste Buch von ihr, das ich als Hörbuch gehört habe, besser gefallen. Das Episodenhafte, die vielen verschiedenen Perspektiven waren am Anfang etwas verwirrend und machten den Einstieg in den Roman schwer. Doch je mehr die Verbindung zwischen den einzelnen Figuren deutlich wurde, desto größer wurde das Lesevergnügen.

Ich gebe das Buch weiter an Katja Althoff und hoffe, dass sie ebenso viel Spaß beim Lesen haben wird wie ich. Vielen Dank an Marieke Heimburger für das Buch und das tolle Projekt „Zwanzig Zeilen zirkulieren‟.

Nächster Eintrag: Mein erstes Mal: Post-Editing einer maschinellen Übersetzung

Vorheriger Eintrag: DKonf2015: Ich war dabei



Copyright 2017 Ricarda Essrich. All Rights Reserved